Kambodscha: Erinnern für die Zukunft

9.3.2017

Die multimediale Internetseite Mapping Memories Cambodia hilft bei der Aufarbeitung der leidvollen Vergangenheit in Kambodscha. Sie verbindet Erlebtes mit Gegenwart und Zukunft.

Die Gräuelherrschaft der Roten Khmer wirft nach wie vor einen Schatten auf die kambodschanische Gesellschaft. Zwischen 1975 und 1979 starb etwa ein Viertel der Bevölkerung durch Zwangsarbeit, Hungersnöte, Folter und Mord. Eine Aufarbeitung dieser leidvollen Zeit fand lange Zeit nicht statt – weder juristisch noch gesellschaftlich. Der ZFD unterstützt seit 2008 seine Partner vor Ort in ihren Bemühungen, die Bewältigung der Vergangenheit voranzubringen. Auch um der Zukunft willen. Das neueste Ergebnis dieser Zusammenarbeit: Die multimediale Internetseite Mapping Memories Cambodia mit Features zu den Themen Liebe, Angst, Musik und Familie.

70 Prozent der kambodschanischen Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Das finstere Kapitel der Roten Khmer kennen die meisten nur aus vagen Erzählungen und noch vageren Vermutungen. Im öffentlichen Diskurs und auch im Bildungssystem wurde die Zeit der Roten Khmer lange ausgeblendet. Die Gräueltaten wurden im Großen wie im Kleinen eher verdrängt als aufgearbeitet. Die Geschichte lastet daher bis heute auf der Gesellschaft – und lähmt eine Entwicklung zu Gesundung und Frieden. Denn auch die junge Generation ist im Schatten der Traumatisierung aufgewachsen.

So wie die Gruppe der Studierenden des Fachbereichs Medien und Kommunikation an der Royal University of Phnom Penh (RUPP), die für Mapping Memories Cambodia verantwortlich zeichnet. Gemeinsam mit ZFD-Fachkraft Stefanie Duckstein haben sie sich der Frage gestellt, wie die Traumata der Vergangenheit bis in die Gegenwart nachwirken – und welchen Beitrag sie zu ihrer Aufarbeitung leisten können? Die Herausforderungen dabei: Überlebende finden, die bereit sind, über ihre traumatischen Erfahrungen zu sprechen. Themen auswählen, die beide Generationen betreffen und berühren. Die Ergebnisse derart aufbereiten, dass sie auch bei der jungen Generation Interesse wecken.

Mapping Memories Cambodia zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass den Studierenden all dies gelungen ist. Auf der multimedialen Internetseite haben sie bewegende Dokumente und intime Einblicke in die Lebensrealität von damals und heute zusammengestellt. Überlebende sprechen über Liebe, Angst, Musik und Familie unter den Roten Khmer. Junge Erwachsene schildern ihre heutige Sicht auf die Dinge. Obwohl viele der Geschichten von Trennung und Verzweiflung handeln, schaffen sie dennoch Verständnis und Verbindung, indem sie geteilt, gelesen und nachempfunden werden – und sie wecken letztlich auch die Hoffnung, dass Aufarbeitung Heilung bringen kann.

Seit 2007 wird den noch lebenden Hauptverantwortlichen der Diktatur der Roten Khmer vor den Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (ECCC, Rote-Khmer-Tribunal) der Prozess gemacht. Der Zivile Friedensdienst (ZFD) trägt zusammen mit seinen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Partnern dazu bei, dass die Botschaft von Versöhnung und Gerechtigkeit von den ECCC in die Bevölkerung getragen wird. Er fördert umfassende Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit, Dialog und Erinnerung sowie die aktive Beteiligung der Opfer und den Austausch zwischen den Generationen.