Kenia: Ohne Weideland kein Leben

2012 wurden in Turkana County im Nordwesten Kenias bedeutsame Öl- und Wasserressourcen entdeckt. Der Fund hat bestehende Konflikte um Land auf dramatische Weise verschärft. Die Diözese Lodwar und der ZFD vermitteln.

Die Konflikte um Land sind in Turkana nicht neu. Seit Generationen kommt es zu Streitigkeiten, wenn es um Land und Wasser geht. Unterschiedliche Lebensweisen spielen dabei eine Rolle, wenn etwa Naturweidewirtschaft und Ackerbau aufeinanderprallen. Unklare und strittige Landrechte sind ebenfalls ein Problem – wie in den meisten Regionen Kenias, wo der Zugang zu Landbesitz eines der konfliktträchtigsten Probleme darstellt. Auch der Druck steigt: Raumgreifende Infrastrukturprojekte, Bevölkerungswachstum und fortschreitende Desertifikation mindern die verfügbaren Landflächen und die Qualität des Bodens zusehends.

Und jetzt auch noch das Öl. Seitdem die Vorkommen entdeckt wurden, investieren internationale Konzerne massiv in Turkana County, um das „schwarze Gold“ gewinnträchtig abzubauen. Leidtragende sind vor allem die Viehhirten der Region, etwa 70 Prozent der Bevölkerung. Ihre Lebensgrundlage ist ernsthaft bedroht, wenn der Staat große Ländereien an Firmen verkauft, wo es ohnehin schon zu wenig Land gibt. Auch hierbei zeigen sich die Folgen unklarer Landrechte. Die nomadisch bis halb-sesshaft lebenden Viehhirten berufen sich auf ein Gewohnheitsrecht, das von staatlicher Seite aber weder anerkannt noch verbrieft ist.

In dieser verzwackten Situation engagiert sich die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (CJPC) der Diözese Lodwar für die Rechte der lokalen Bevölkerung, vermittelt bei Landkonflikten und versucht, Eskalationen vorzubeugen. Die Betroffenen werden über die Rahmenbedingungen des Landrechts aufgeklärt und gegebenenfalls dabei unterstützt, ihre Rechte vor Gericht einzufordern. Die CJPC betreibt auch „klassische“ Lobbyarbeit, indem sie Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf gesetzliche Missstände aufmerksam macht und Wege aufzeigt, wie diese zu beheben wären – beispielsweise durch die Anerkennung traditioneller Gepflogenheiten, wie dem Gewohnheitsrecht. Außerdem werden zerstrittene Konfliktparteien, wo immer möglich, an einen Tisch gebracht, um Streitigkeiten außergerichtlich auf konstruktive Weise zu lösen. Seit 2015 wird die Diözese Lodwar vom ZFD unterstützt.

Lesen Sie hier mehr zur Arbeit in der Diözese Lodwar: https://www.ageh.de/infothek/publikationen/contacts/2016/contacts-32016-landkonflikte/ohne-weideland-kein-leben.html