Kenia: Wahlen im Zeichen des Friedens?

Am 8. August wird in Kenia gewählt. Die Stimmung ist angespannt. 2007 gab es nach den Wahlen heftige Ausschreitungen. Der ZFD und seine Partner arbeiten daran, erneuter Gewalt vorzubeugen. Ein Überblick über aktuelle friedensfördernde Aktivitäten.

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen nach den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 offenbarten tief verwurzelte ethnische und soziale Spannungen, die die kenianische Gesellschaft bis heute prägen. Damals gingen die Auseinandersetzungen mit mehr als 1.200 Todesopfer und über 600.000 Binnenvertriebenen einher. Vor wenigen Tagen wurde der stellvertretende Vorsitzende der Wahlkommission aus noch ungeklärten Gründen ermordet aufgefunden. Die Sorge, dass die Gewalt im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen wieder eskaliert, ist daher nicht unbegründet. Neben dem Präsidentschaftsamt stehen am 8. August auch Parlament, Bezirksregierungen, Gouverneure und Senatoren zur Disposition. Rund 1.900 Posten müssen landesweit neu besetzt werden.

Der ZFD arbeitet mit seinen kenianischen Partnerorganisationen darauf hin, die bestehenden Spannungen zu überwinden, um Gewalt zu verhindern und den Weg zum Frieden zu bereiten. Gegenwärtig sind über 20 Fachkräfte im Land.

Die folgenden Kurzberichte sind nur ein Ausschnitt aus der vielfältigen Arbeit des ZFD in Kenia:

Jugendliche als Friedensbotschafterinnen und -botschafter
„We are all contributors, contributors to peace“, lautete die Botschaft des kenianischen Hip-Hop-Stars Juliani zum Auftakt der Konferenz “Youth Ambassadors of Peace – Mabalozi wa Amani – united for peaceful elections in Kenya”, die am 28. und 29. Juni 2017 in Nairobi stattfand. Über 100, vornehmlich junge Leute aus Jugendorganisationen tauschten sich darüber aus, wie sie auf lokaler Ebene dazu beitragen können, dass die Wahlen am 8. August friedlich verlaufen. Die Teilnehmenden kamen aus allen möglichen Regionen des Landes in die Hauptstadt – und tragen ihre Erkenntnisse nun als Friedensbotschafter zurück in ihre Regionen. Organisiert wurde das Treffen vom Interreligious Dialogue (IRD) Network mit Unterstützung durch die Missionaries of Africa und den ZFD.

Frieden auf Sendung: Radioprojekt zeigt erste Erfolge
Das „UMOJA – Radio for Peace“-Projekt wurde erst Ende 2016 ins Leben gerufen und funkt jetzt schon unaufhörlich gute Nachrichten. Mit ihrer Kooperation wollen das Kenya Community Media Network (KCOMNET), die Konrad-Adenauer-Stiftung und der ZFD Lokalradios zu Friedensstiftern machen, indem sie mit einem ausgewogenen Programm Spannungen abbauen, anstatt sie anzuheizen. Seit Projektstart wurden bereits 36 Radiostationen im ganzen Land bereist und über 120 Journalistinnen und Journalisten geschult. Ende Juni fand ein weiterer Workshop zu konfliktsensiblem Journalismus mit fünf Lokalradios und zwei katholischen Radiostationen auf Mfangano Island statt. Kürzlich wurde eine gemeinsame Deklaration verabschiedet, die „Declaration of Kenyan Community Radios“. In dieser verpflichten sie sich selbst zu einem „ethical, tolerant, inclusive and accountable journalism“ und erinnern zugleich die Politik an ihre Pflicht, die Pressefreiheit zu garantieren und die Macht der Medien nicht zu missbrauchen. Die Deklaration und weitere spannende Berichte können im aktuellen UMOJA-Newsletter nachgelesen werden.

Kicken für den Frieden
„Sport for Peace“ lautet das Motto einer Veranstaltungsreihe auf lokaler Ebene. Am 22. Juli kamen zuletzt auf Initiative des ZFD-Partner Caritas Lodwar vier Teams aus unterschiedlichen Gemeinden zu einem Fußballturnier zusammen. Insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler, die ein Zeichen setzten: Sportlicher Wettkampf ja, Gewalt nein.

Traumaworkshop: Wunden schließen, statt neue zu reißen
Im Rift Valley kamen knapp 50 Mitglieder aus unterschiedlichen Kommunen zusammen, die am Alternative Justice System (AJS) arbeiten. In einem Traumaworkshop setzten sie sich mit Themen wie Vergangenheitsarbeit, Versöhnung und konstruktiver Konfliktlösung auseinander. Der Workshop wurde vom ZFD und der Organisation Rural Women Peace organisiert.

Schritt für Schritt
Der ZFD-Partner Haki Yetu organisierte am 13. Juli einen Friedensmarsch durch Mombasa, dem sich zahlreiche Jugendorganisationen aus Mombasa und den angrenzenden Regionen anschlossen. Über 200 Jugendliche demonstrierten in der zweitgrößten Stadt Kenias für den Frieden. In einer gemeinsamen Erklärung riefen sie die junge Generation Kenias, immerhin über 70 Prozent der Bevölkerung, dazu auf, ihren Einfluss geltend zu machen und für einen friedlichen Ablauf der Wahlen einzutreten.

Gemeinsam statt gegeneinander
Mit dem Projekt „Schutz vor neuerlicher Vertreibung und Integration von Binnengeflüchteten“ im Rift Valley im Westen Kenias setzt sich der ZFD dafür ein, Konflikte zwischen Geflüchteten und Aufnahmegemeinden zu schlichten. Kernstücke der Arbeit sind Dialog und Mediation zwischen Ortsansässigen, Geflüchteten und Rückkehren auf Gemeindeebene. Vor kurzem gab es bei einer solchen Gemeindediskussion das vielleicht schönste Kompliment für den ZFD und seine Wirkung: „Because you have come to listen to us, we can actually listen to each other“.

Gut vorbereitet in die Wahlen
Am 9. Juni trafen sich Vertreter und Vertreterinnen von Polizei, Medien, von Geflüchteten- und Aufnahmegemeinden sowie religiöse Würdenträger in Kasarani (Nairobi) zu einem Treffen mit dem Thema „Election Preparedness“. Die Kernfrage: Wie kann Gewalt verhindert und sozialer Zusammenhalt gefördert werden? Die Teilnehmenden diskutierten Strategien der Gewaltprävention und Konfliktsensibilisierung. Anschließend wurden Aktionsgruppen gebildet, die die Verwaltung in Kasarani bei der Vorbereitung der Wahlen beraten sollen. Organisiert wurde das Treffen vom ZFD-Partner Kituo Cha Sheria.

Internationale Konferenz: Nachhaltiger Frieden in Afrika
Am 25. und 26. Mai 2017 fand im Tangaza University College Nairobi die internationale Konferenz „Moving Africa towards Sustainable Security and Peace“ statt. An der Konferenz nahmen zahlreiche Institutionen und Organisationen der Friedensarbeit aus Kenia, aber auch aus anderen afrikanischen Ländern wie Uganda und dem Südsudan teil. Auch der ZFD war zugegen und brachte seine Erfahrungen in ziviler Konfliktbearbeitung ein. Das wichtigste Ergebnis der Konferenz: Eine Arbeitsgruppe soll gebildet werden, um die Institutionen und Organisationen in einem Netzwerk zusammenzuhalten und Synergien zu schaffen.

Neue Publikation: Wirksamer Schutz für Menschenrechte
Wie können Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger (MRV) besser geschützt werden? Antworten gibt die neue Publikation „Enhancing Support for Exiled Human Rights Defenders in Nairobi“. Beleuchtet wird die Situation von MRV, die in Kenias Hauptstadt Nairobi im Exil leben. In mehreren Workshops wurde zwischen November 2016 und März 2017 der Frage nachgegangen, wie Organisationen und Institutionen sie besser unterstützen können. Die Ergebnisse wurden im Juli 2017 veröffentlicht und stehen in unserer Publikationsdatenbank zum kostenlosen Download bereit.

Bretter, die die Welt bedeuten
Im Bistum Malindi findet derzeit ein vom ZFD unterstütztes Friedenstheaterfestival teil. Schülerinnen und Schüler von insgesamt sieben Schulen bringen Theaterstücke zum Thema „Wahlen formen meine Zukunft“ auf die Bühne. Die Gewinner des Festivals werden mit einer Auszeichnung des Kultusministeriums des Tana River County ausgezeichnet. Initiator der Festivals ist die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden des Bistums Malindi, ein langjähriger Partner des ZFD.

Strategisch engagiert
Bereits im Mai fand ein Treffen aller ZFD-Fachkräfte statt. Bei dieser Gelegenheit ist auch das obige Gruppenfoto entstanden. Sie stehen in engem Austausch untereinander, um ihr Engagement aufeinander abzustimmen und ihre Kräfte zu bündeln.

Mehr über die Arbeit des ZFD in Kenia erfahren Sie in unserer Projektdatenbank.
Aktuelle Meldungen finden Sie auf der Facebook-Seite des ZFD in Kenia.