Kolumbien: Auf dem Weg zum Frieden?

7.2.2017

Der Friedensprozess in Kolumbien geht mit den offiziellen Verhandlungen zwischen kolumbianischer Regierung und der zweitgrößten Guerillagruppe ELN in die 2. Runde.

Doch Vereinbarungen auf der großen Bühne der Politik können nur fruchten, wenn der Frieden an der Basis der Gesellschaft ankommt. Hier greift das Engagement des ZFD: Seit mehr als 15 Jahren setzt er sich in Kolumbien unter anderem dafür ein, dass Konflikte auf lokaler Ebene konstruktiv bearbeitet werden – gemeinsam mit engagierten Partnern und mit aktuell mehr als zwanzig Fachkräften vor Ort.

Eine dieser Fachkräfte ist Lisa Picott aus Düren. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet sie bei der ZFD-Partnerorganisation „Corporación Podion“ in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. Die gemeinnützige Organisation ist ein wichtiger Akteur im kolumbianischen Friedensprozess. Podion steht mehr als 30 zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen mit Rat und Tat beiseite. Deren Arbeitsschwerpunkt liegt auf der konstruktiven Bearbeitung von Landkonflikten. Insbesondere die Position afrokolumbianischer, indigener und bäuerlicher Gemeinden wird gestärkt.

Die extreme Konzentration von Landbesitz in den Händen weniger Menschen war ein wesentlicher Auslöser der bewaffneten Konflikte zwischen Militär, Paramilitär und Guerilla, die Kolumbien seit 1964 erschüttern. Im Zuge der Konflikte hat sich die Lage immer weiter verschärft: Land wurde beschlagnahmt, verwüstet, vermint. Fast sechs Millionen Menschen waren gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen. Nach wie vor stehen zu viele Menschen mit zu wenig Land da. Ihre Rechte werden missachtet, Land wird nicht zurückgegeben oder aufs Neue vereinnahmt. Denn auch Bergbau und Großplantagen fordern täglich mehr Boden.

Podion bietet den Organisationen Beratung, Supervision und Weiterbildung, damit sie sich noch effektiver in die Bearbeitung der Konflikte um Land und Boden einbringen können. Darüber hinaus trägt Podion das Projekt „Friedensschulen“: Lehrkräfte werden in ziviler Konfliktbearbeitung, Demokratie, Menschenrechten und psychosozialer Beratung geschult. Dr. Jaime Díaz Ahumada, Direktor der Corporación Podion, weiß die Unterstützung durch die Fachkräfte des ZFD zu schätzen: „Wenn wir keine Fachkräfte gehabt hätten, hätten wir kaum das Ausbildungsprogramm ‚Schulen für Frieden und Demokratie‘ durchführen können.“

Mit einem Bachelor in Lateinamerikastudien und einem Master in „Peace Studies and Conflict Resolution“ ist Lisa Picott bestens auf ihre Arbeit im ZFD vorbereitet. Doch Expertise allein reicht nicht, um Menschen zu erreichen und Friedensprozesse anzustoßen. Was Lisa Picott und die anderen Fachkräfte des ZFD auszeichnet, sind ihr Engagement, ihre Ausdauer und ihr Fingerspitzengefühl. „Die Fachkräfte, mit denen wir zu tun haben, sind Personen, die vibrieren für das, was sie machen, die sich freuen, über das was sie machen, und ein Beweis dafür ist, dass sie weiter machen wollen, (…) weil sie wollen, dass es etwas Solides wird, weil sie wollen, dass die Arbeit nicht unbeendet bleibt, sondern eigenständig weitergehen kann, und dafür braucht man auch Zeit,“ sagt Dr. Jaime Díaz Ahumada.

Zeit wird der gesamte Weg zu einem dauerhaften und nachhaltigen Frieden in Kolumbien brauchen. 2016 mündeten die Verhandlungen zwischen kolumbianischer Regierung und der FARC, der größten Guerillagruppe, in einem historisch bedeutsamen Friedensabkommen. Dafür gab es sogar den Friedensnobelpreis. Nachdem sich eine knappe Mehrheit der Bevölkerung gegen die Beschlüsse ausgesprochen hatte, wurde nachgebessert. Derzeit ist nicht absehbar, wie der Friedensprozess weiter fruchten wird und wie die Verhandlungen mit der ELN verlaufen.

Dr. Jaime Díaz Ahumada von Podion blickt jedenfalls optimistisch in die Zukunft. Eine der größten Herausforderungen bleiben aber seiner Einschätzung nach die massiven Landkonflikte. Die rasche Umsetzung einer in den Friedensverhandlungen besprochenen Landreform ist erforderlich, um die Lage der Menschen zu verbessern und ein wesentliches Konfliktpotential zu entschärfen. „Es ist wie ein Werk, an dem noch gearbeitet werden muss. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns“, weiß Díaz. In diesem Transformationsprozess in Richtung Frieden müssten zivilgesellschaftliche Akteure eine tragende Rolle einnehmen. „Sie werden alle zu einer veränderten Gesellschaft beitragen.“ Der ZFD wird sie weiter dabei unterstützen.