Kolumbien: Zivile Friedensoffensive

In Kolumbien verhandelt die Regierung mit der zweitgrößten Guerilla-Gruppe ELN. Zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter zahlreiche ZFD-Partner, unterbreiteten ihnen jetzt einen Vorschlag für ein humanitäres Abkommen.

Kolumbien wird seit über fünfzig Jahren von bewaffneten Konflikten erschüttert. Zwar mündeten 2016 Verhandlungen zwischen kolumbianischer Regierung und der größten Guerillagruppe „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ (FARC) in ein historisch bedeutsames Friedensabkommen. Frieden herrscht jedoch noch lange nicht. Im Februar 2017 begannen die Verhandlungen zwischen Regierung und der zweitgrößten Guerillabewegung „Ejército de Liberación Nacional“ (ELN). Anfang September wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der vom 1. Oktober an für zunächst 102 Tage gelten soll.

Erste Schritte zum Frieden sind getan. Unabhängig davon, dass Friedensabkommen verhandelt und unterzeichnet werden, muss der Frieden jedoch auch an der Basis der Gesellschaft ankommen. Dafür machen sich besonders zivilgesellschaftliche Organisationen stark. Sie bringen die Anliegen der Bevölkerung sogar in die Verhandlungen ein. Ein Beispiel dafür ist die gemeinsame Lobbyarbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen in der Region Chocó im Nordosten Kolumbiens. Im August reichten sie einen Vorschlag für ein humanitäres Abkommen ein, das zum sofortigen Waffenstillstand aufruft und Regierung und ELN aufgefordert, Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht einzuhalten. Zudem soll die territoriale Autonomie geachtet werden. Die Diözese Quibdó, ein langjähriger Partner des ZFD im Chocó, hat die vielen Stimmen aus den Gemeinden und Organisationen gesammelt und in dem Dokument (siehe unten) gebündelt.

Die Friedensoffensive der Zivilgesellschaft hatte schon einmal Erfolg: So war es auch der Lobbyarbeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen im Chocó  zu verdanken, dass das sogenannte „Capítulo Étnico“ in das Friedensabkommen von 2016  aufgenommen wurde. Das „Capítulo Étnico“ nimmt besonders die Interessen der afrokolumbianischen und indigenen Bevölkerungsgruppen in den Blick. Es definiert beispielsweise Grundsätze zum Umgang mit gemeinschaftlichen Landrechten und zur Wiedergutmachung. Die Inhalte wurden im Zuge der interethnischen Arbeit im Chocó mit Unterstützung des ZFD entwickelt.

Das Departamento del Chocó war und ist vom bewaffneten Konflikt besonders hart betroffen. Für den ZFD ist der Chocó daher eine Schwerpunktregion seines Engagements in Kolumbien. Das Bild zeigt die Arbeit der interethnischen Kommission im Chocó, die von der Diözese Quibdó im Rahmen der Friedensarbeit wiederbelebt wurde. Foto: Michaela Pfister/AGEH

Ab der kommenden Woche wird die Arbeit des ZFD im Chocó in unserem Themenschwerpunkt Gewaltprävention ausführlich vorgestellt. Bislang veranschaulichen dort bereits Projekte aus Guinea und dem Libanon das Potenzial ziviler Friedensarbeit. Hier geht es zum Themenschwerpunkt „Gewalt vorbeugen – das geht“.

Der Vorschlag zum humanitären Abkommen der Zivilgesellschaft des Chocó kann hier heruntergeladen werden: