Timor-Leste: Frieden macht Schule

24.1.2017

Frischer Wind im Bildungssystem: Der ZFD setzt in Timor-Leste auf die junge Generation und engagiert sich dazu friedenspädagogisch in der schulischen und außerschulischen Bildung.

Timor-Leste ist in doppelter Hinsicht ein sehr junger Staat: Er ist erst seit 2002 unabhängig, und die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Der Staatsgründung waren Jahrzehnte der Besatzung durch Indonesien vorausgegangen. Bis heute liegt ein Schatten auf dem Land. Politik und Gesellschaft stehen weiterhin vor der Aufgabe, ein zerstörtes Land auf- und die vorherrschende Kultur der Gewalt abzubauen. Der ZFD setzt in Timor-Leste auf das Potenzial der jungen Generation und engagiert sich dazu friedenspädagogisch in der schulischen und außerschulischen Bildung.

„Gewalt wird als Form zwischenmenschlicher Interaktion akzeptiert“, erläutert Johann Friedl, Koordinator des ZFD-Landesprogramms mit acht Fachkräften, die Situation im Land. „Die Fähigkeiten, Konflikte diskursiv und gewaltfrei zu lösen, sind bei den meisten Menschen nur sehr schwach ausgebildet.“ Das zeigt sich auch in Erziehung und Bildung. Das Lehrpersonal, egal ob an Schulen oder Unis, hat keine oder nur eine geringe methodisch-didaktische Ausbildung erfahren. Ein eindimensionaler, meist autoritär geprägter Frontalunterricht ist daher die Regel.

Gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen sorgt der ZFD für frischen Wind im Bildungssystem. Konfliktbearbeitung wird praxisnah auf die Agenda gebracht – in Fortbildungen für Lehrkräfte und in Kursen mit Schülerinnen und Schülern. Die Idee dahinter: Jugendliche sollen alternative Wege der Konfliktaustragung kennenlernen, um mit Spannungen in ihrem Umfeld konstruktiv umgehen zu können. Dazu werden verstärkt partizipative Unterrichtsmethoden eingesetzt. Schon allein dadurch werden Reflexion und Dialog angeregt.

Viel hat sich durch die mittlerweile vierzehnjährige Arbeit des ZFD getan. Immer mehr Schulen erkennen den Nutzen von Friedenserziehung und nehmen sie in ihre Curricula auf. Mehrere Hochschulen haben den Studienplan angehender Lehrkräfte überarbeitet: Die Bereiche  Pädagogik und Didaktik wurden ausgebaut, und Seminare in Friedenspädagogik und gewaltfreier Konfliktbearbeitung ergänzt.

Dass das Engagement für den Frieden in Timor-Leste nicht nur wirkungsvoll, sondern auch preisgekrönt ist, darüber haben wir im Rahmen der Verleihung des "Balibo 5 Awards" an die ZFD-Partnerorganisation CPA (Casa de Produção Audiovisual)  im Mai 2016 bereits berichtet.