Voneinander lernen: Fachaustausch des ZFD

19.10.2017

In Berlin findet diese Woche der erste internationale Fachaustausch des ZFD statt. Inhaltlich geht es um Formen, Chancen und Herausforderungen der Vergangenheitsarbeit. Die Teilnehmenden kommen aus über zehn Ländern.

Die fünftägige Veranstaltung steht unter dem Motto „Vergangenheitsarbeit – Unterschiede und gemeinsame Grundlagen in der weltweiten Arbeit des ZFD“. Unter den vierzig Teilnehmenden sind Profis aus ZFD-Partnerorganisationen wie auch internationale Fachkräfte des ZFD, die sich allesamt im Bereich der Vergangenheitsarbeit engagieren.

Wie können die Gräuel der Vergangenheit aufgearbeitet werden? Wie kann der Opfer gedacht werden? Wie können Menschen, die traumatisiert sind, wieder vertrauen lernen? Wie können Menschen wieder zusammenleben, die zuvor aufeinander geschossen haben? All dies sind Fragen, denen wir uns im Rahmen der Vergangenheitsarbeit stellen müssen, um Gegenwart und Zukunft zu gestalten.

Der Austausch dient dazu, Erfahrungen, Methoden, Herausforderungen und Erfolge aus der praktischen Arbeit zu diskutieren. „Die Veranstaltung gibt mir die Möglichkeit meine Arbeit zu reflektieren, etwas wofür oft nicht die Zeit ist. Außerdem erlauben mir die Perspektiven meiner Kolleginnen und Kollegen meine eigene Arbeit mit anderen Augen zu sehen“, sagt Ramesh Adhikari, ZFD-Fachkraft aus Nepal. Gemeinsam werden erfolgreiche Ansätze und Strategien herausgefiltert, die auch auf andere Kontexte übertragen werden können.

Der Fachaustausch soll außerdem helfen, Kontakte zu knüpfen und einen langfristigen Austausch über Ländergrenzen hinweg zu beleben. „In der Arbeit zur Bewältigung einer gewaltvollen Vergangenheit ist man mit vielen Herausforderungen konfrontiert und hat oft das Gefühl allein und isoliert zu sein. Der Austausch hilft zu sehen, dass man eben nicht allein ist und andere mit viel Engagement zu den gleichen Themen arbeiten,“ sagt Sotheary Yim aus Kambodscha. Die Psychologin und Traumatherapeutin arbeitet für die ZFD-Partnerorganisation Kdei Karuna in Phnom Penh.

Die Arbeit im ZFD ist keine Einbahnstraße. Erst durch die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und lokalen Partner entstehen wirkungsvolle und praktikable Lösungsansätze. Beide Seiten lernen voneinander und geben sich gegenseitig Impulse. In gleicher Weise können Erfahrungen auch länderübergreifend von Nutzen sein, wie Alina Bodnar von der ukrainischen Partnerorganisation EUCCI (Eastern-Ukrainian Center for Civic Initiatives) bestätigt: „Wir sind in unserer Arbeit mit einer Kriegssituation im Donbasgebiet konfrontiert. Wir haben ein sehr junges Projekt. Ich denke, ich kann sehr viel von den Kolleginnen und Kollegen hier lernen, die über jahrelange Erfahrung verfügen.“

Der Fachaustausch ist ein lebendiges Beispiel des gemeinsamen weltweiten Wissensmanagements der internationalen ZFD-Fachkräfte und ihrer einheimischen Kolleginnen und Kollegen. Zu der Veranstaltung in Berlin sind Fachkräfte und Partner aus Nepal, Sri Lanka, Kambodscha, Libanon, Kolumbien, Guatemala, El Salvador, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Ukraine und aus Burundi angereist. Das gegenwärtige Treffen bildet den Auftakt zu einer geplanten Veranstaltungsreihe. Unterstützt wird der Austausch durch ein digitales Wissensnetz.


Erfahren Sie mehr über die Vergangenheitsarbeit des ZFD und seiner Partner:

In zahlreichen Projekten bildet die Aufarbeitung der Vergangenheit einen wesentlichen Schwerpunkt des Engagements. Hier finden Sie eine Übersicht über diese Projekte weltweit.

Darüber hinaus stellt unsere Publikationsdatenbank eine Vielzahl an Dokumenten zum Thema Vergangenheitsarbeit zum kostenlosen Download bereit. Mithilfe der Suchmaske lasen sich dort weitere Auswahlkriterien festlegen (wie zum Beispiel ein konkretes Land oder die Art des Mediums).

Oder möchten Sie unsere Arbeit mit Schwerpunkt Aufarbeitung der Vergangenheit lieber über konkrete Beispiele kennenlernen? In den vergangenen Wochen berichteten wir an dieser Stelle über Initiativen in Kambodscha, Guatemala, Kolumbien, Uganda, Nepal und Sri Lanka.

Auch in unserem aktuellen Dossier zu Gewaltprävention kommt die Aufarbeitung der Vergangenheit zur Sprache. Nach dem Konflikt ist oft vor dem Konflikt, wenn keine zivile Friedensarbeit stattfindet – selbst wenn ein offizielles Friedensabkommen unterzeichnet wurde. In jedem von Gewalt geprägten Kontext stellt sich die Frage: Wie umgehen mit einer gewaltvollen Vergangenheit, die längst noch nicht Geschichte ist? Im Dossier finden Sie beispielsweise eine Reportage über die Kolumbianerin Sandra Tapias, die 1996 gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurde.