Wie Du mir? – Täter-Opfer-Ausgleich in Uganda

24.8.2017

„Wie können Opfer und Täter wieder friedlich zusammenleben?" Die vom ZFD unterstützte Fallstudie „Bring back my Finger!“ beleuchtet Täter-Opfer-Beziehungen im nördlichen Uganda und findet Antworten.

Die vorliegende Fallstudie „Bring back my Finger!“ beleuchtet die Bedeutung von Täter-Opfer-Ausgleichsprozessen in einer Region, die von 1987 bis 2006 massiv von den Gewalttaten der Lord´s Resistance Army (LRA) unter Joseph Kony betroffen war.

Die LRA gilt als eine der grausamsten Rebellengruppen überhaupt. Ihre Mitglieder plünderten, folterten, vergewaltigten und mordeten wahllos. Über 60.000 Kinder wurden entführt und als Kindersoldaten missbraucht. Mehr als 100.000 Menschen wurden ermordet. Auch wenn Joseph Kony dem Friedensvertrag mit der ugandischen Regierung 2008 die Unterschrift verweigerte, wurde die LRA weitgehend aus dem Land verdrängt. Doch ein Klima der Gewalt verbunden mit einer hohen Kriminalitätsrate ist im Norden Ugandas geblieben.

Im Fokus der Studie steht die Frage, welche Bedeutung Versöhnungsprozesse in Post-Konflikt-Regionen haben und mit welchen Zielen und Ergebnissen sie einhergehen können. Am konkreten Fall wird analysiert, welche Auswirkungen geltendes Recht und allgemeines Rechtsverständnis auf die Beziehung zwischen Tätern und Opfern und auf den Zusammenhalt der Gemeinschaft haben.

Der Titel greift das bewegende Zitat eines im Rahmen der Studie befragten Gewaltopfers auf: „How can taking someone to prison bring back my fingers?“ Insbesondere dann, wenn es um schwerste Verbrechen wie Vergewaltigung, Misshandlung und Mord geht, ist eine Aufarbeitung des Geschehenen ein schmerzhafter, heikler und langwieriger Prozess. Ein Aufeinanderzugehen von Opfern und Tätern scheint ausgeschlossen. Doch gerade dann ist eine (juristische wie psychosoziale) Aufarbeitung umso dringlicher. Und auch dann muss eine Antwort auf die Frage gefunden werden: Wie kann eine friedliche Koexistenz innerhalb derselben Gemeinde gelingen?

Die Studie schließt mit acht Empfehlungen, wie Versöhnung und Wiedergutmachung auf kommunaler Ebene in Norduganda, aber auch andernorts vorangebracht werden können. Zwei wesentliche Punkte: Psychosoziale Unterstützung gewährleisten und Versöhnungsinitiativen stärken!

„Bring back my Finger! Victim-offender Relationships: A Case Study of Northern Uganda“ wurde zwischen September und November 2016 von Mitarbeitenden des ZFD-Partners Advance Africa in den Distrikten Lira und Kitgum (in den nördlichen Regionen Lango und Acholi) durchgeführt. Die nun veröffentlichte Studie steht hier zum kostenlosen Download bereit (englisch).

Mehr über die Arbeit unserer Partnerorganisation Advance Afrika bei der Reintegration von Strafgefangenen und der Versöhnung zwischen Tätern, Opfer und Gemeinden erfahren Sie in unserem Beitrag vom 5. April 2017.